Stellungnahme Mobilfunk

Seit April 2016 kommt es in Mühlheim am Main zu heftigen Dikussionen um die Errichtung von 2 Mobilfunk-Sendeanlagen, die derzeit im Bereich der Bahnhofstraße errichtet werden.

Vor allem Anwohner aus der direkten Nachbarschaft, aber auch Eltern und Erzieherinnen der nur ca. 300 Meter Luftlinie entfernten evangelischen KITA "Arche Noah" sorgen sich um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder, da nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht eindeutig geklärt werden kann, ob ein dauerhafter Aufenthalt in direkter Nähe zu solchen Mobilfunkmasten gesundheitliche Langzeitschäden verursachen kann oder nicht.

Zahlreiche von großen Mobilfunk-Konzernen in Auftrag gegebene Gutachten bestreiten jegliche negative Auswirkung auf die Gesundheit der unmittelbaren Anwohner solcher Mobilfunk-Sendeanlagen. 

Auf der anderen Seite gibt es jedoch ebenso viele Untersuchungen, die klare Zusammenhänge zwischen "Elektro-Smog" und ernsten gesundheitlichen Schäden nachweisen konnten. 

Da es sich bei der Mobilfunk-Kommunikation um eine noch vergleichsweise neue Technologie handelt, können naturgemäß noch keine Langzeitstudien vorliegen, welche aussagekräftige Erkenntnisse über die die Auswirkungen von Mobilfunk-Strahlung auf den menschlichen Organismus über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten oder gar mehreren Generationen liefern können.

Letztgültige und eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse oder gar eine einheitliche wissenschaftliche Lehrmeinung zur Frage möglicher Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk liegen also derzeit (noch) nicht vor.

Aus diesem Grund sollten in der ethischen Beurteilung möglicher Gefahren durch Mobilfunkmasten in Wohngebieten die christlichen Grundsätze der (1) "Bewahrung von Schöpfung und Geschöpfen Gottes"(1.Mose 2,15)  sowie (2) der "Schutz des Schwächeren" (Römer 15,1) zum Tragen kommen.

Der Auftrag Gottes an den Menschen, sich die Erde untertan zu machen, darf nicht als "Freibrief" zur Ausplünderung der Natur missverstanden werden und berechtigt uns Menschen nicht dazu, die gute Schöpfung Gottes zu zerstören.

(1) Nicht alles, was technisch möglich ist, darf und sollte auch gemacht werden !

In der aktuell in unserer Stadt wieder neu entbrannten Diskussion um ein grenzenloses Wachstum des Mobilfunk-Technologie bedeutet das: Solange nicht jegliche Gesundheitsgefährdung der in unmittelbarer Umgebung von Sendemasten lebenden Menschen eindeutig und zweifelsfrei ausgeschlosssen werden kann, sollten wir uns als Christen für den Schutz der Gesundheit unserer Mitmenschen einsetzen  - auch wenn das für uns selbst gewisse "Opfer" wie z.B: ein Stück "Konsumverzicht" bedeuten könnte, weil eine hundertprozentige und flächendeckende Abdeckung mit schnellen  Mobilfunk- und Internet-Verbindungen dann nicht gewährleistet werden kann.

(2) "David gegen Goliath ?"

Sowohl was die Möglichkeit zur Erstellung von fachwissenschaftlichen Gutachten angeht, als auch im Blick auf  eine eventuell notwendig werdende juristische Klärung unterschiedlicher Interessenslagen besteht zwischen den Mobilfunkanlagen betreibenden Großkonzernen auf der einen Seite und betroffenen Anwohnern auf der anderen Seite ein deutliches Machtgefälle.
Betroffene Anwohner haben in der Regel weder die finanziellen Mittel zur Erstellung eines Fachgutachtens zur Frage möglicher Gesundheitsgefährdungen durch Mobilfunk, noch haben sie im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit den von Mobilfunkkonzernen beauftragten hoch spezialisierten Fachanwaltskanzleien eine realistische Chance, ihr berechtigtes Interesse nach ihrer auch  langfristig nicht durch Mobilfunkstrahlung gefährden Gesundheit auf juristischem 'Wege durchsetzen zu können.

Der Kampf einzelner neben Mobilfunkmasten lebender betroffener Anwohner gegen in Politik und Wirtschaft bestens vernetzte Großkonzerne mutet dabei fast ein wenig wie der biblische Kampf "David gegen Goliath"an. Der einzelne Betroffene scheint in einem solchen Gegenüber zu milliardenschweren Mobilfunkkonzernen auf jeden Fall der "Schwächere" zu sein, der sich der Übermacht eines schier unbezwingbaren Stärkeren gegenübersieht. 
Darum sehe ich mich als Christ moralisch dazu verpflichtet, in einem solchen Gegeneinander unterschiedlicher Interessen für den Schwächeren Partei zu ergreifen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem solchen Konflikt David den Goliath besiegt,  ist zwar objektiv gesehen äußerst gering - aber wie das uralte biblische Beispiel zeigt nicht gänzlich unmöglich !

Darum nutzen wir unseren kritischen Verstand, den Gott uns als Christen neben vielen anderen Gaben ebenfalls geschenkt hat. 
Setzen wir uns als Christinnen und Christen dafür ein, dass das scheinbar nicht mehr zu stoppende grenzenlose Wachstum mobiler Funktechnik nicht um jeden Preis immer weiter um sich greifen wird - ohne Rücksicht auf Verluste !

Denn die Gesundheit eines jeden einzelnen Menschen - sei es nun die Gesundheit anderer oder auch unsere eigene - ist wichtiger und wertvoller als aller noch so bequemer Komfort einer flächendeckenden, lückenlosen Versorgung mit Handynetzen und mobilem schnellen Internet. 

Pfarrer Ralf Grombacher (18. April 2016)

Auch die folgende Stellungnahme des Stuttgarter Gesamtkirchenrates stellt den Urteilsfindunsprozess sowie viele informative Intergründe zum Thema "Mobilfunkmasten in Wohngebieten" ebenfalls noch einmal kurz und gut zusammengefasst dar.
 

Am 10. April 2016 erschien im "Rhein-Main Extra Tipp"außerdem ein Artikel über unsere im engeren Umkreis eines der neuen Mobilfunkmasten gelegenen integrativen KITA "Arche Noah".  

Weitere interessante fachwissenschaftliche Untersuchungen zum Thema finden Sie hier: 
 
Eine von der Bundesnetzagentur veröffentichte Karte mit sämtlichen Sendestationen in ganz Deutschland findet man hier: